Over & Out

Als eine von vier Freundinnen einen Pakt aus Schulzeiten einfordert, reisen die drei anderen nach Italien – zur Hochzeit. Glauben sie zumindest …
Warum hat sie eigentlich gerade uns hierfür aus­gewählt?“ Die Frage, die Rocksängerin Toni (Petra Schmidt-Schaller) stellt, ist berechtigt. Die vier Freundinnen hatten sich zwar zu Turnvereinszeiten geschworen, unter allen Umständen zur Hochzeit der anderen zu kommen. Seit damals hat man sich allerdings ziemlich aus den Augen verloren, sieht sich nur alle Jubeljahre, gratuliert zum ­Geburtstag, registriert allenfalls den neuen Job, die neue Liebe, die Kinder auf Social Media. Lea (Jessica Schwarz) beißt sich als Unternehmensberaterin durch. Steffi (Regisseurin Julia Becker) ist Hausfrau und Mutter und kompensiert ihren Lebensfrust mit kleinen Affären. Dass ihr Mann sie ebenfalls betrügt, ahnt sie. Toni ist ständig mit ihrer Musik unterwegs, promotet gerade den neuen Song „TNT“ und hat eine gestörte Beziehung mit ihrem Manager. Es passt ihnen also gar nicht in den Kram, dass Maja (Nora Tschirner) sich plötzlich per Video meldet und die Einlösung des Schwurs einfordert. Eher genervt kommt das Trio nach Flug und stunden­langer Mietwagenfahrt in der italienischen Kirche an. Und wird überrascht. „Liebe geht kaputt. Freunde bleiben“, ist Tonis Erkenntnis, die auch der Film transportiert, um gleich zu hinterfragen, warum man eigentlich (noch) befreundet ist. Es geht um unterschiedliche Lebensmodelle und die Frage, wie weit Freundschaft gehen kann. Dazu gibt es ein paar großartige Szenen, so wenn die spießige Lea ein neues Tattoo an der coolen Toni entdeckt: „Am Hals? Wer weiß, was du später mal machen willst.“ Darauf Toni: „Du weißt schon, dass später jetzt ist.“ Leider kommt es aber auch zu Leerlauf und Wieder­holungen. Die Besetzung ist zwar toll, insgesamt fehlt es der Geschichte jedoch etwas an Substanz, alles bleibt eher im Vagen. Man hätte insgesamt mehr daraus machen können. Auch versteht man manche Freundschaft nicht wirklich, aber das liegt wohl in der Natur der Sache.

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