Das Glaszimmer

Wie ein Elfjähriger das Ende des Dritten Reiches in der bayerischen Provinz erlebt
Als ihr Wohnhaus in München kurz vor Kriegsende zerbombt wird, flieht Anna (Lisa Wagner) mit dem elfjährigen Felix (Xari Wimbauer) in ihr niederbayerisches Heimatdorf. Während der Ortsgruppen­leiter Feik (Philipp Hochmair mit steifem Bein und Hitlerbärtchen) die Einheimischen zu Wehrsportübungen antreten lässt, freundet sich der zartbesaitete Felix mit Feiks Sohn, dem zwölfjährigen Hitlerjungen Karri (Luis Vorbach), an. Nachdem Anna die Nachricht erhalten hat, dass ihr Mann Bernd (Hans Löw) „für Führer, Volk und Vaterland“ gefallen ist, finden die Kinder beim Spielen einen Deserteur, der sich im alten Sägewerk versteckt hat. In seinem zweiten Kinospielfilm nach „Was weg is, is weg“ (2012) schildert der bayerische Schauspieler und Drehbuchautor Christian Lerch („Wer früher stirbt ist länger tot“) die letzten Tage des Dritten Reiches aus Kinderperspektive. In erstaunlich klischeefreien Bildern gelingt es ihm, die Gefühlswelt der Heranwachsenden und den verbrecherischen Einfluss der Nazipropaganda begreifbar zu machen. Auf eindringliche Weise erzählt „Das Glaszimmer“ von Verführung und Verblendung, ohne seine Figuren zu dämonisieren.

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