Trailer zu ”Chaos Walking”

Chaos Walking

Nach „Edge of Tomorrow“ präsentiert Regisseur Doug Liman seine nächste düstere Zukunftsvision, die auf einer Jugendbuchreihe basiert
Ganz rund lief die Produktion von „Chaos Walking“ nicht. Hauptdarsteller Tom Holland („Spider-Man: Far from Home“) verletzte sich, als er von einem Stuntman eins auf die Nase bekam, und dann wurde er während einer Unterwasserszene auch noch ohnmächtig. Ganz zu schweigen von der ­Entfernung seiner Weisheitszähne, die ihn zu einer viertägigen Drehpause zwang. Als schließlich alles im Kasten war, wurden aufwendige Nachdrehs anberaumt. Ein übliches Vorgehen, allerdings schlugen diese mit angeblich fünfzehn Millionen Dollar zu Buche, und Regisseur Doug Liman („Die Bourne Identität“) erhielt Unterstützung vom Uru­guayer Fede Alvarez („Evil Dead“). Solche Nachrichten sind keine guten Vorzeichen. Und tatsächlich wirkt der dystopische Thriller nicht selten unausgegoren. Im Mittelpunkt der Verfilmung des Romans „New World: Die Flucht“ (das erste Buch einer Trilogie) steht der junge Todd (Tom Holland), der im Jahr 2257 auf dem Planeten New World in der Siedlung Prentiss­town lebt. Alle Frauen wurden von den Ur-einwohnern des Planeten getötet. Die ver­bliebenen Männer, deren Anführer Bürger- meister Prentiss (Mads Mikkelsen) ist, können seitdem durch die seltsame Kraft „Lärm“ die Gedanken aller hören. Als plötzlich Viola (Daisy Ridley) mit ihrem Raumschiff auf New World abstürzt, ändert sich für Todd alles. Er beschließt, die junge Frau zu retten und vor seiner Gemeinde in Sicherheit zu bringen. Die intensive Eingangssequenz von „Chaos Walking“ liefert ein Feuerwerk von Ein­drücken, die man erst mal verarbeiten und sortieren muss. Und es fällt direkt das fan­tastische visuelle Konzept auf: Die Gedanken der Menschen sind als lilafarbene Nebelschwaden dargestellt, die permanent um die Köpfe herumwabern. Dieser Kniff hält einige clevere Einfälle und sogar Lacher bereit, kann jedoch in manchen Momenten auch anstrengend werden, wenn zu viele Stimmen durcheinander „denken“. Das temporeiche Abenteuer bietet überhaupt einiges fürs Auge. Die relativ schlicht gekleideten Figuren und Wildwest-Kulissen stehen im Kontrast zu modernen, futuristischen Bauten und Waffen. Auf der anderen Seite mangelt es der Handlung an wirklicher Innovation, die Charaktere sind stereotyp gezeichnet, und ihr Schicksal lässt den Zuschauer kalt. Ausgerechnet ein Hund ruft die meisten Emotionen hervor. Das ist insofern schade, als dass die verrückte und durchaus beängstigende Vision dank der Buchvorlage von Patrick Ness („Sieben Minuten nach ­Mitternacht“) und dem namhaften Cast echtes Hit-Potenzial hätte.

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