Trailer zu ”Und morgen die ganze Welt”

Und morgen die ganze Welt

Ist Gewalt als politisches Mittel zu rechtfertigen? Eine junge Jurastudentin wird Teil der linken Szene und muss sich entscheiden, ob man Neonazis zur Not auch verprügeln darf
Die zwanzigjährige Luisa (Mala Emde) studiert in Mannheim Jura im ersten Semester. Entsetzt vom Rechtsruck in Deutschland und der Gewalt, die Neonazis auf die Straße bringen, folgt sie Kommilitonin Batte (Luisa-Céline Gaffron) ins linke Zentrum „P31“. Dort trifft sie auf die zwei Freunde Alfa (Noah Saavedra) und Lenor (Tonio Schneider), denen die Aktionen der Gruppe nicht weit genug gehen. Sie wollen den Faschos aufs Maul hauen. Bei einer Demo stiehlt Luisa einem der Neonazis ein Handy und kommt mit Alfa und Lenor einem Altnazi auf die Spur, der offensichtlich ein Bombenattentat plant. Ist Gewalt jetzt gerechtfertigt? Der provokante Filmtitel ist eine Zeile aus dem verbotenen Ex-Hitlerjugend-Lied „Es zittern die morschen Knochen“. Regisseurin Julia von Heinz („Ich bin dann mal weg“) war früher Mitglied der Antifa und hat fast zwanzig Jahre an einem Film zum Thema Widerstandsrecht im Sinne von ­Artikel 20, Absatz 4 des Grundgesetzes gearbeitet. Der authentische und emotionale Blick auf die linke Szene, die packenden Bilder der Demos und Aktionen sowie die mit frischen Gesichtern besetzten Hauptrollen sind die ­Highlights dieses wichtigen Films. Mala Emde hat bei den 77. Filmfestspielen von Venedig von einer unabhängigen Jury den Preis Bisato d’Oro als beste Darstellerin erhalten. Der Film hat auch kleine Schwächen, so fehlt es an einem größeren Handlungsbogen, was aber wenig ins Gewicht fällt. Die linke Band Neonschwarz steuerte Musik bei, unter anderem eine Version von „Wenn die Nacht am tiefsten …“ (1975) von Ton Steine Scherben mit neuem Text.

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