Touch Me Not

Die experimentelle Doku nähert sich den irritierenden Weiten der Sexualität
Als „Touch Me Not“ zum Sieger der dies­jährigen Berlinale gekürt wurde, wollten ei­nige Medien daraus einen mittelschweren Skandal machen. Von einem Sexfilm war die Rede. Und in der Tat verließen einige Zuschauer vorzeitig die damalige Pressevorführung. Das dürfte aber weniger an der Nacktheit und den expliziten Sexszenen gelegen haben als vielmehr an der mitunter unerträglichen, aber unvermeidbaren Intimität, in die man von den Bildern gezwungen wird. Der Film ist eine kühne Abhandlung über unseren oft gestörten Bezug zu Körperlichkeit und Begehren. Ohne Scham, aber immer mit Respekt werden gängige Vorstellungen von „normalem“ Sex hinterfragt. Jeder Mensch, so die Haltung des Films, muss seinen eigenen Weg finden, wie er mit der Lust umgehen will: sei es im Sexclub oder beim Tantra. Regisseurin Adina Pintilie legt den Film als eine sehr persönliche Suche und gleichzeitig als Versuchsanordnung an. Die eigenen inti­men Erfahrungen teilt sie mit ihren sowohl fiktiven als auch realen Protagonisten. Dabei wird die Grenze zwischen Fiktion und Dokumentarfilm auf interessante Weise verwischt und der Film wahrlich zu einer Zumutung – ­und einer notwendigen und bereichernden Erfahrung.

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