Tides

„Als ich zum ersten Mal im Wattenmeer stand, dachte ich, das sieht hier aus wie auf einem anderen Planeten.“ Wie schon in seinem Debütfilm „Hell“ (2011) verzich­tete Tim Fehlbaum auch in „Tides“ bis auf wenige Ausnahmen, die die Realität erweitern sollten, auf CGI. So drehte er seine Sci-Fi-­Vision sowohl on location im Wattenmeer als auch im Studio. „Den ganzen Film konnten wir leider nicht vor der Küste von Neuwerk drehen“, erzählt er. „Das Salzwasser greift die Ausrüstung an, und die gesamte Produktion logistisch durch den Schlick zu bringen ist nahezu unmöglich. Außerdem kommt das ­Wasser zweimal am Tag. Wir haben aber dort begonnen, um der Crew und Hauptdarstellerin Nora Arnezeder ein Gefühl für die Landschaft zu geben.“ So entstanden die meis­ten Szenen im Studio. „Der Film sollte sich physisch, sehr haptisch anfühlen. Und ­unser Kameramann Markus Förderer hatte dafür geniale Lösungen gefunden.“ Der Boden beispielsweise wurde mit Schlamm befüllt, damit die Schauspieler den Kontakt zum Untergrund haben und es in der Kamera authentisch wirkt. „Diese Bewegungen des Bodens im Computer real hinzubekommen ist ­extrem schwierig.“ Den Hinter­grund bildeten große Fotos vom Wattenmeer, die von hinten beleuchtet wurden. Eine Herausforderung war der Nebel: „Man braucht bei diesen Szenen keine ­sterile Studiooptik, sondern Bewegung in der Luft. Par­tikel, die zwischen ­Kamera, Hauptdarstellerin und Hinter­grund zirku­lieren.“ Auch wenn das ­Szenario ­vordergründig an ­„Water­­­- world“ erinnert, mit dem Kevin-Costner-Flop von 1995 hat „Tides“ nichts zu tun. Als Inspiration für seinen Film diente ­Fehlbaum unter anderem die Doku „Workingman’s ­Death“ (2005): In einer Episode geht es ­darin um Schweißer in ­Pakistan, die ausge­-musterte Frachtschiffe aus­ein­andernehmen. Kamera- mann ­Markus Förderer fand ein ähnliches Szenario in Bangladesch und fing es ein. Das ganze Interview hören Sie im CINEMA-Podcast „Shortcuts“ (kostenlos bei Apple Podcast, Spotify und in allen Podcast-Apps).

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