The Tomorrow War

Morgen ist alles anders: „Guardians of the Galaxy“-Chef Chris Pratt reist in die Zukunft, um eine Alieninvasion zu verhindern.
Es war einer der größten Streaming-Coups des coronabedingten Kino-Lockdowns. Für 200 Millionen Dollar hatte Amazon den für die große Leinwand konzipierten Sci-Fi-Blockbuster „The Tomorrow War“ Paramount Pictures abgekauft und sich einen vermeintlich todsicheren Hit ins Programm geholt. Was sollte mit Hit-Garant Chris Pratt („Guardians of the Galaxy“, „Jurassic World“) in der Hauptrolle und Action-Spaßvogel Chris McKay („The Lego Batman Movie“) im Regiestuhl auch schiefgehen? Leider so einiges. Im Jahr 2022 wird der gefrustete Biolehrer Dan Forester (Pratt) an der Seite seiner Frau Emmy (Betty Gilpin) und Töchterchen Muri aus dem Alltag gerissen. Über einen temporalen Jumplink tauchen Soldaten aus der Zukunft auf und berichten, dass in 29 Jahren monströse Aliens die Menschheit an den Rand der Auslöschung gebracht haben. Der Bitte um Truppenunterstützung gegen die sogenannten Whitespikes wird weltweit stattgegeben. Doch da für den Zeitsprung nicht jeder infrage kommt, wird nach einiger Zeit die Zivilbevölkerung eingezogen – darunter auch Dan. Mit seiner Vergangenheit als Squad Leader einer Army-Spezialeinheit ist er anders als der Rest seiner Truppe zwar halbwegs auf die Schrecken eines Vernichtungskriegs vorbereitet. Dass aber 2051 ausgerechnet seine Tochter Muri (Yvonne Strahovski) das Kommando innehat und als Wissenschaftlerin nach einem Toxin zur Auslöschung der Monsterheerscharen forscht, erwischt Dan kalt – zumal sie ihrem vormals geliebten Vater äußerst reserviert begegnet. Die Idee, ins Zentrum einer Alieninvasion einen schwelenden Familienkonflikt zu stellen, in dem sich Dans Probleme mit seinem eigenen Vater (als Vietnamveteran krass durchtrainiert: J. K. Simmons) spiegeln, hätte „The Tomorrow War“ Seele verleihen können. Vereinzelte Momente schauspielerischer Chemie können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Figurenzeichnungen durch die Bank auf unterem B-Film-Niveau bewegen. Wer sich hingegen im Angesicht des globalen Genozids nicht an unangebracht smarten Sprüchen stört, wird mit spektakulärem Actiongeballer belohnt. In den brachialen Konfrontationen mit den Whitespikes, die – ergänzt durch Dornen verschießende Tentakel – an die „A Quiet Place“-Monster erinnern, nimmt der Film ordentlich Fahrt auf. Die Intensität der Feuergefechte, die Dan & Co. in vier aufeinanderfolgenden Missionen zu überstehen haben, vermitteln dem Zuschauer das Gefühl, sich im Kampfgeschehen des themenverwandten Ego-Shooters „Crysis“ zu befinden. Dass sich Drehbuchautor Zach Dean dabei dramaturgisch aus „Aliens“ und „Starship Troopers“ bedient, ist weniger ein Problem als das weder ironisch gebrochene noch emotional unterfütterte Pathos, mit dem hier in Zeitlupe der Heldentod gestorben wird. Hinzu kommen moralische Botschaften, die in ihrer Schlichtheit befremden. Zitat Dan gegenüber seiner desillusionierten Schulklasse: „Eines braucht die Welt jetzt ganz dringend: Wissenschaftler. Wir dürfen nicht aufhören zu forschen, denn so löst man Probleme. Wissenschaft ist wichtig.“ Völlig richtig. Aber auch in einem Actionspektakel muss man sich nicht mit Plattitüden begnügen. Das muss Hollywood- Star Chris Pratt, der hier erstmals auch als Produzent fungierte, für die Zukunft noch lernen.

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