Trailer zu ”The Sisters Brothers”

The Sisters Brothers

Regisseur Jacques Audiard („Ein Prophet“) schickt in seinem Western zwei Brüder auf eine Reise zu sich selbst
Es ist die Zeit des kalifornischen Goldrausches. Die Aussicht auf schnellen Reichtum lässt die Menschen vor Gier immer ­verrückter werden. Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed) hat eine Formel entwickelt, die das Schürfen von Gold erleichtern soll. Um diese in seine Finger zu bekommen, schickt der einflussreiche Commodore (Rutger Hauer) den Detektiv Jim Morris (Jake Gyllenhaal) los. Er soll den Chemiker ausfindig machen, damit die Kopfgeldjäger Eli (John C. Reilly) und Charlie Sisters (Joaquin Phoenix) anschließend die Formel aus ihm herauspressen können. Morris und Warm werden jedoch Freunde und setzen sich ab. Die Sisters-Brüder nehmen die Verfolgung auf und verstricken sich in immer blutigere Auseinandersetzungen. Auch wenn Trailer und Filmplakat etwas anderes versprechen, handelt es sich bei „The Sisters Brothers“ nur bedingt um einen klassischen Western. Zwar greift der gefeierte französische Regisseur Jacques Audiard (Goldene Palme in Cannes für „Dämonen und Wunder“) in der Verfilmung des Romans von Patrick deWitt durchaus Versatzstücke des Genres wie Schießereien, Saufgelage und Bordelle auf, hinterfragt dabei aber verspielt und dennoch hartnäckig dessen Männlichkeitsbild. Während sich der sensible und nachdenkliche Eli immer mehr nach einem normalen Leben ohne Gewalt sehnt, stößt der ­trinksüchtige Charlie weiter alles von sich, was sich ihm in den Weg stellt — und fällt dabei nicht selten über sich selbst. Dabei sind beide auf der Flucht vor den dunklen Schatten ihrer trau­matischen Kindheit. Dieser unentrinnbaren, zerstörerischen Familien­bande stellt Audiard die Freundschaft zwischen Morris und Warm entgegen, die für ein Leben jenseits von Gewalt einstehen und sich für ein solidarisches Miteinander starkmachen. Was sich nach schwerer Kost anhört, ist von allergrößter Leichtigkeit und garniert mit unterhaltsamem Witz. Das Zusammenspiel von Reilly und Phoenix ist schlichtweg grandios. Und in den richtigen Momenten zieht der Film das Tempo geschickt an. Alles fügt sich zu einer kunstvoll tiefgründigen und dabei unaufdringlichen Reflexion über Männlichkeit und kapitalistische Gier. Kein Wunder, dass Audiard für dieses filmische Meisterwerk beim Festival in Venedig mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie ausgezeichnet wurde.

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