The Harder They Fall

Mit seinem Regiedebüt reklamiert Seals Bruder Jeymes Samuel das klassische Genre für afroamerikanische Antihelden.
Seit seiner Kindheit in West London ist Jeymes Samuel Western-Fan. Und seit damals ist dem 42-jährigen Bruder von Seal eines übel aufgestoßen: Menschen mit einer Hautfarbe wie seiner spielen in Western keine Rolle. 2013 änderte er dies mit „They Die by Dawn“. Der in vier Tagen gedrehte Kurzfilm zeigte ein fiktionales Aufeinandertreffen realer afroamerikanischer Westernhelden wie Sheriff Bass Reeves und Cowboy Nat Love. Die auf Filmfestivals gefeierte Fingerübung sollte allerdings nur ein Vorgeschmack sein. Mit großen Worten kündigte Samuel an, in wenigen Wochen „The Notorious Nine“ zu drehen – mit den gleichen Darstellern, einem hohen Budget und einer deutlich größeren Geschichte. Es sollte acht Jahre dauern, bis daraus Realität wurde. Zwar heißt der Film jetzt „The Harder They Fall“, und die Darsteller wurden ausgetauscht, aber der Ansatz blieb gleich. Erneut treffen sich reale schwarze Westernhelden in einer fiktiven Geschichte. Ausgangspunkt ist eine Familientragödie. Vor Jahren wurde Nat Love (Jonathan Majors) Zeuge, wie Rufus Buck (Idris Elba) seine Eltern tötete. Jetzt will er Rache. Mit seiner Ex, Stagecoach Mary (Zazie Beetz), und dem legendären Sheriff Bass Reeves (Delroy Lindo) an seiner Seite plant er, den frisch entflohenen Buck und seine Gang um Cherokee Bill (LaKeith Stanfield) und Trudy Smith (Regina King) auszuschalten. Wie bei den meisten Western ist die Geschichte austauschbar und das Ende vorhersehbar, aber bereits dadurch, dass alle Helden schwarz sind, sticht sie hervor. Dass diese dazu noch auf realen Figuren basieren, führt dazu, dass der Zuschauer automatisch gezwungen ist, sich zu fragen, warum der Western bisher eine rein weiße Angelegenheit war. Eine Tatsache, die Samuel in seinem Film pointiert anspricht, wenn er Nate in eine buchstäblich weiße Stadt einreiten lässt. Es ist nur einer von vielen Momenten, mit denen Samuels – von Sergio Leone geprägte – Inszenierung das Ganze in eine andere Sphäre katapultiert. Ein Nachfolgeprojekt hat er bereits im Köcher. Hoffentlich dauert es nicht wieder acht Jahre.

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