Trailer zu ”The Girl with All the Gifts”

The Girl with All the Gifts

London in einer nahen dystopischen Zukunft: Das Land ist von Zombies überflutet, doch einige dieser lebenden Toten haben eine rätselhafte höhere Evolutionsstufe erreicht
Diese Walking Deads sind etwas anders: Im intensiven, teils verstörenden Horrorfilm von TV-Veteran Colm McCarthy („Doctor Who“, „Sherlock“)gibt es Zombies im Kleinkinderformat, die intelligent sind, empathische Gefühle entwickeln und ihren Fresstrieb zu unterdrücken vermögen. Die sogenannten Hungries (Hungrige) sind unter militäri­schen Bedingungen in einem Guantánamo-ähnlichen Gefängnis eingesperrt, wo die ungewöhnliche Art wissenschaftlich untersucht werden soll. Das klügste Zombiekind ist die kleine Melanie (großartig: Sennia Nanua), die eine besondere Beziehung zu ihrer Lehrerin Helen Justineau (Gemma Arterton) aufbaut. Doch es gibt auch Kräfte, die den Kindern weniger freundlich gesinnt sind. Die rigorose Gefängnisärztin Dr. Caldwell (Glenn Close) ist nur daran interessiert, ein Gegenmittel für die Zombieinfektion zu finden, und nimmt ihre Studien bevorzugt am lebenden Objekt vor – was den sicheren Tod der Hungries bedeutet. Als Dr. Caldwell Melanie auf den Sezier­tisch schnallt, kommt es zum Konflikt zwischen der Lehrerin und der Ärztin. Gleichzeitig wird das Lager von einer Attacke „normaler“ Infizierter überrollt. Melanie und ihre Mentorin flüchten darauf mit einigen Soldaten in Richtung London, doch es ist nie sicher, ob die Beißinstinkte des Zombiemädchens nicht doch erwachen. „The Girl with All the Gifts“ gelingt etwas, das man vorher für unmöglich gehalten hätte. Das apokalyptische Thrillerdrama verhilft dem Zombiegenre zu ungeahnten neuen Impulsen und gar zu komplexen philosophischen Gedankengängen. Für den beklemmenden dystopischen Hintergrund sorgt die Ruinenstadt Pripyat, die nach der Havarie des Atomreaktors von Tschernobyl aufge­geben wurde und als Kulisse eines ver­fallenen London dient. Entstanden sind dort beklemmende Bilder, die eine Welt in Auflösung zeigen. Der Film könnte gut eine Fortsetzung von „28 Weeks ­Later“ sein, ist aber dennoch jederzeit ­eigenständig und hochgradig visionär. Die ungewohnte Vermenschlichung der Zombies sollte sich kein Genrefan ent­gehen lassen.

DIESEN FILM WÄHLEN