Trailer zu ”Sorry we missed you”

Sorry we missed you

Regisseur Ken Loach („Ich, Daniel Blake“) ist der Großvater des britischen Sozialrealismus. Mit diesem mitreißenden Drama um den sozialen Abstieg einer Familie aus Newcastle ist dem 83-Jährigen mal wieder ein kleines Meisterwerk gelungen
Zehn Jahre nach dem Finanzcrash in Großbritannien lebt Familie Turner in Newcastle noch immer nahe am ­Abgrund. Familienvater Ricky (grandios: Kris Hitchen) hat die ewige Plackerei mit seinen Gelegenheitsjobs satt und will sich als Kurierfahrer selbstständig machen. Dazu muss er einen Lieferwagen kaufen – und das Geld kommt von seiner Gattin Abbie (Debbie Honeywood). Die muss dafür ihren Kleinwagen abstoßen und als mobile Krankenhelferin jetzt mit dem Bus zu ihren bedürftigen Patienten fahren und sich die alten Geschichten von einer besseren Zeit anhören. Derweil haben die Kinder Sebastian (Rhys Stone) und Liza Jane (Katie Proctor) ihre eigenen Probleme. Ricky merkt schnell, dass der angebliche Traum von der Selbstständigkeit als Paketzusteller mit dem enormen Zeitdruck und all den Strafgeldern nur eine weitere Stufe der Ausbeutung bedeutet und eher einem Albtraum gleicht. Als der rebellische Sebas­tian wegen einer Prügelei von der Schule zu fliegen droht, muss Ricky sich entscheiden: Rette ich meine Familie oder meinen Job? Ken Loach (Goldene Palme in Cannes 2006 für „The Wind That Shakes the Barley“ und 2016 für „Ich, Daniel Blake“) zeichnet ohne jede Sentimentalität das deprimierende Leben des Prekariats auf – still und traurig, intensiv und hart. Es sind nicht die großen, schlimmen Momente, die den Zuschauer bedrücken, sondern die kleinen, alltäglichen Szenen, die zeigen, dass es für die Turners kein Entrinnen vor dem sozialen Abstieg gibt. Ken Loach unterlässt es dabei – wie ­gewohnt – zu dozieren, sondern erklärt anhand eines ausgiebigen Beispiels die Entwicklung einer ganzen Gesellschaft. Dabei gibt es anders als in früheren Filmen wie „My Name Is Joe“ (1998), „Looking for Eric“ (2009) oder „Angel’s Share“ (2012) keinen Komödienanteil. Und so bleibt das bittere Bild des verzweifelten Ricky, der frühmorgens in seinen Transporter steigt, lange in Erinnerung.

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