Trailer zu ”Silence”

Silence

Nach „The Wolf of Wall Street“ erzählt Martin Scorsese nun von der Christenverfolgung im Japan des 17. Jahrhunderts
Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vor­zustellen, wie enttäuscht Martin Scorsese gewesen sein muss, als er erfahren hat, dass sein Historienepos „Silence“ nur für einen Oscar nominiert ist. Jahrzehntelang musste der renommierte Regisseur auf die begehrte Trophäe warten. Erst im Jahr 2007 wurde sie ihm für „Depar­ted – Unter Feinden“ überreicht. Der langersehnte Regie-Oscar wirkte wie ein Trostpreis für einen Film, der nicht zu seinen besten gehört. Dass die einzige Nomi­nierung in diesem Jahr an Kameramann Rodrigo Prieto ging, macht Sinn. Denn die imposanten Bilder entschädigen ­zumindest teilweise für die dramaturgischen Schwächen des Films. Scor­sese ist ohne Frage einer der größten Regisseure unserer Zeit, doch was er in sei­ner Genialität allzu oft ignoriert, ist die Ökonomie des Erzählens. Auch „Silence“ ist mit einer Länge von zwei ­Stunden und vierzig Minuten deutlich zu lang(weilig) geraten. Der Ausgangspunkt der Geschichte erinnert an „Apocalypse Now“, Francis Ford Coppolas Adaption von Joseph Conrads Reise ins „Herz der Finsternis“. Die Jesuitenpater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garu­pe (Adam Driver, siehe S. 20) brechen im Jahr 1638 nach Japan auf, um ihren Lehrer Chris­tóvão Ferreira (Liam Neeson) zu suchen, der vom Glauben abgefallen sein soll. Nach ihrer Ankunft erleben sie die brutale Verfolgung der Christen durch die japanischen Machthaber. Nachdem Pater Rodrigues in Gefangenschaft ge­raten ist, steht er vor einem scheinbar unlösba­ren Dilemma: Wenn er bereit ist, seinem Glauben abzuschwören, könnte er das Leiden seiner Mithäftlinge beenden. Doch was würde Gott von einem solchen Verrat halten, und wie kann Er eigentlich zu all dem schweigen? Für Scorsese bedeutet „Silence“ das Gegenteil von Suspense. Obwohl die beiden Priester in der ständigen Gefahr schweben, von den umherziehenden Samurai-Truppen entdeckt zu werden, in­teressiert sich der Regisseur vor allem für die spirituelle Unterweisung der Dorfbewohner, die Garupe und Rodrigues Unterschlupf gewähren. Und selbst wenn Menschen lebendig verbrannt oder zu Tode gefoltert werden, bleibt der Zuschauer emotional auf Distanz. Die zermürbenden Selbstzweifel des von Andrew Garfield gespielten Priesters dominieren die zweite Hälfte des Films. Umso überraschender fällt dann das mit nur wenigen Strichen skizzierte Ende der Geschichte aus. Es klingt paradox, doch nach zweieinhalb Stunden wünscht man sich tatsächlich, der Regisseur hätte sich am Schluss noch ein bisschen mehr Zeit genommen.

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