Trailer zu ”Sicario 2”

Sicario 2

Im Sequel zu Denis Villeneuves Actionthriller von 2015 kehrt Benicio del Toro als Söldner Alejandro zurück. Und gerät zwischen die Fronten konkurrierender Drogenkartelle und amerikanischer Interessen
Der zermürbende Kampf gegen die Allmacht südamerikanischer Drogenkartelle stand 2015 im Zentrum von Denis Villeneuves genialem Actionthriller „Sicario“ (spanisch für „Auftragskiller“). Darin stellte der ­spätere Regisseur von „Blade Runner 2049“ die provokante Frage nach der Durchsetzbarkeit rechtsstaatlicher Werte im Krieg gegen die Syndikate. Vor allem Villeneuves schonungsloser Realismus ließ seinerzeit eine Sogwirkung entstehen, der man sich nicht entziehen konnte: Die Grenze zwischen den USA und Mexiko wurde zu einem über­dimensionalen Schachbrett, auf dem es letztlich egal war, ob die Polizei, die DEA, das FBI oder ihre Gegner den Sieg davontrugen. Am Ende sorgte jeder Zug dafür, dass die Bevölkerung leidet und sich die Spirale der Gewalt immer weiter nach oben dreht. Und daran hat sich auch im Sequel nichts geändert. Nach einem Selbstmordanschlag islamistischer Terroristen in Kansas stellt sich heraus, dass die Kartelle nicht nur Drogen, sondern auch Terroristen in die USA schmuggeln. Der CIA-Agent Matt Graver (Josh Brolin), der schon im ersten Teil die Operation einer Spezialeinheit leitete, bekommt daraufhin den Auftrag, einen Krieg zwischen den Syndikaten anzuzetteln. Dafür heuert er erneut Alejandro (Benicio del Toro) an. Der Plan: Isabela (Isabela Moner), die Tochter des mächtigen Unterweltbosses Carlos Reyes, soll entführt und der Verdacht auf ein anderes Kartell gelenkt werden. Nach einem unglücklichen Zwischenfall mit der mexikanischen Polizei geraten Alejandro und Isabela jedoch zwischen die Fronten. Der abgebrühte Elitekämpfer muss plötzlich Verantwortung übernehmen. Die Handlung des zweiten Teils dreht sich wie schon in Villeneuves Vorgänger um moralische Grauzonen und einen Konflikt, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse fließend und kaum noch zu erkennen sind. Die Actionszenen zeichnen sich aber noch immer durch eine realistische Vehemenz aus, die weder übertrieben noch gekünstelt wirkt. Der Unterschied liegt in der perspektivischen Ausrichtung. Während das Original die Ausweglosigkeit und das Dilemma des Drogenkriegs im Allgemeinen aufzeigte, legte Drehbuchautor Taylor Sheridan („Wind River“) das Sequel als Charakterstudie an. Im Zentrum steht nun Anti­held Alejandro, dem der mit Mafia-Stoffen bestens vertraute Regisseur Stefano Sollima („Romanzo Criminale – Der Pate von Rom“, „Gomorrha – Die Serie“, „Suburra“) genügend Raum zur Entfaltung und Entwicklung gibt. Hauptdarsteller Benicio del Toro verkörpert diesen Mann mit einer grandiosen Mischung aus bedrohlicher Gewalttätigkeit und verletzlicher Melancholie. Bereits im Vorgänger blitzte vereinzelt dessen tragische Vergangenheit auf. Hier nun erhält der Zuschauer tiefere Einblicke in das Seelenleben des Auftragskillers. Gerade in der Beziehung zu Isabela tritt eine unerwartete Zärtlichkeit zutage, die im nächsten Augenblick bereits wieder in eine schonungslose Brutalität seinen Gegnern gegenüber umschlägt. Akribisch achtet Regisseur Stefano Sollima darauf, nicht alle Geheimnisse seiner Figur zu offenbaren und ihm damit die Aura des Unnahbaren zu lassen. Dennoch: In diesem Krieg um Geld und Macht ist Alejandro der einzige Funke Menschlichkeit. Der Überraschungsfaktor und die visuelle Intensität des Originals mögen in „Sicario 2“ zwar verflogen sein, Alejandros Katharsis in dem staubigen, mit dem Blut Unschuldiger getränkten Niemandsland aber trifft mitten in die Magengrube. Hoffentlich bringt der derzeit als Prequel geplante dritte Teil seine Geschichte zu einem würdigen, nicht auf billige Küchenpsychologie und effektheischende Einlagen abzielenden Abschluss.

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