Trailer zu ”Schloss aus Glas”

Schloss aus Glas

Sieben Jahre lang stand Jeannette Walls’ Tatsachenroman auf der Bestsellerliste der „New York Times“. Jetzt wurden ihre Erinnerungen an eine Kindheit in Armut mit Brie Larson, Woody Harrelson und Naomi Watts verfilmt
Die Menschen in der Stadt leben in schicken Wohnungen, doch die Luft ist so schmutzig, dass sie die Sterne nicht sehen können. Und nie käme Rex (Woody Harrelson) auf die Idee, mit ihnen zu tauschen. Lieber zieht er mit seiner Familie von einem Ort zum anderen, immer auf der Flucht vor seinen Gläubigern und der Polizei. Rex und seine Frau Rose Mary (Naomi Watts), die als Lehrerin arbeiten könnte und sich stattdessen als Malerin selbst verwirklicht, sind echte Aussteiger. Dass ihre Kinder kaum zur Schule gehen, ist für sie kein Problem, denn alles, was wichtig und nützlich ist, lernen sie auch so. Wenn Rex nicht betrunken ist, erzählt er Jeannette und ihren Geschwistern unglaubliche Geschichten, bringt ihnen Mathe bei und zeigt ihnen, wie man mit einer Pistole schießt. Eines Tages wird dieses Nomadenleben in Wohnwagen und Bruchbuden ohnehin vorbei sein. Dann wird Rex seiner Familie ein solarbetriebenes Schloss aus Glas bauen, dessen Entwurf schon so gut wie fertig ist. Jahrelang hatte Jeannette Walls „schreckliche Angst davor, dass die Leute etwas über meine Eltern herausfinden würden“. Doch irgendwann entschließt sie sich, das Versteckspiel zu beenden. In ihrem 2006 erschienenen Tatsachenroman „Schloss aus Glas“ enthüllt die New Yorker Gesellschaftskolumnistin das Geheimnis ihrer Herkunft. Auf erschütternde und berührende Weise berichtet sie von einem abenteuerlichen Leben am Rand der Gesellschaft. Zehn Jahre später hat Regisseur Destin Daniel Cretton („Short Term 12 – Stille Helden“) ihre Geschichte verfilmt. Brie Larson spielt die erwachsene Jean­nette, die sich in langen Rückblenden an ihre Kindheit erinnert. Doch der eigentliche Star des Films ist Woody Harrelson, der den charismatischen Familienvater in all seiner Widersprüchlichkeit kongenial verkörpert. Er holt seinen Kindern die Sterne vom Himmel und lässt sie dennoch regelmäßig im Stich. Er ist ein begnadeter Autodidakt und ein verantwortungsloser Alkoholiker, ist fürsorglich und rücksichtslos, hilfsbereit und unzuverlässig. Dass der Regisseur auch „das Licht, das Glück und die Freude“ ihrer Kindheit zeigt, war Jeannette Walls besonders wichtig. Sie ist froh darüber, dass der Film „nichts beschönigt und nichts ausgelassen hat“. Doch das ist nicht ganz richtig. Wer das Buch gelesen hat, weiß, dass es in Wirklichkeit noch viel schlimmer war. Dass die Kinder dreckverschmiert und stinkend zur Schule gehen, dass sie in Pappkartons schlafen und sich die Beine anmalen, um die Löcher in ihren Kleidern zu kaschieren, dass sie buchstäblich im Müll leben und Abfallkörbe nach etwas Essbarem durchwühlen – davon ist auf der Leinwand nichts zu sehen. Die Bilder dieses bewegenden Films werden dennoch lange im Gedächtnis bleiben. Es ist nur schade, dass er sich nicht traut, die ganze Wahrheit zu erzählen.

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