Red Notice

Für 160 Millionen Dollar hat sich Netflix drei Superstars eingekauft. Doch reicht das auch für einen guten Film?
"Eier, wir brauchen Eier!" Oliver Kahn ist auch Leitmotiv für den bisher teuersten Netflix-Film, in dem drei goldene Eier der Königin Kleopatra zum Objekt der Begierde werden. Um die Schmuckstücke seiner Tochter Cleopatra zu ihrer Hochzeit zu vermachen, hat ein ägyptischer Milliardär 300 Millionen Dollar für die drei Eier ausgeschrieben, die einst ein Geschenk von Marcus Antonius waren. Der Haken an der Sache: Eines der Eier ist seit Hunderten Jahren verschwunden. Einzig Kunstdieb Nolan Booth (Ryan Reynolds) glaubt zu wissen, wo sich das Artefakt befindet. Doch bereits beim Versuch, das erste Ei zu stehlen, trifft er auf Widerstand. FBI-Agent John Hartley (Dwayne Johnson), Interpol-Fahnderin Das (Ritu Arya) und die unter dem Pseudonym Läufer agierende Kunstdiebin Sarah Black (Gal Gadot) fahren ihm in die Parade. Auftakt einer wilden Jagd über vier Kontinente, bei der jeder der vier versucht, den anderen auszustechen. „Red Notice“, benannt nach dem Festnahmegesuch von Interpol, setzt nahtlos die Reihe der Netflix-Actionkracher fort – im positiven wie im negativen Sinne. Wie so oft ist es dem Streaming-Giganten dank einer prall gefüllten Kriegskasse gelungen, ein unglaubliches Star-Ensemble anzuheuern. Je zwanzig Millionen Dollar sollen Ryan Reynolds und Gal Gadot für ihre Rollen eingesackt haben, während Dwayne „The Rock“ Johnson dank seiner Zusatzfunktion als Produzent einen noch größeren Zahltag hatte. Für das Trio leicht verdientes Geld, schließlich verlangen ihre Rollen genau das, was sie sonst auch tun. Dwayne Johnson darf seine Muskeln zur Schau stellen, Ryan Reynolds redet leider wie ein Wasserfall, und Gal Gadot demonstriert erneut ihre sensationellen Fähigkeiten als Actionheldin. Doch genau darin liegt auch ein bisschen das Problem. Indem sich Regisseur und Autor Rawson Marshall Thurber („Skyscraper“) ganz auf das bekannte Erfolgsrezept verlässt, fehlt es an Überraschungen. Statt sich Mühe zu geben, echte Charaktere zu entwickeln, baut Thurber komplett auf das bereits bekannte Image des Trios, weshalb jeder für sich exzellent ist, am Ende aber die Chemie zwischen den dreien fehlt. Was dagegen stimmt, ist die Action. Gleich von der ersten Sekunde an machen Thurber und sein deutscher Kameramann Markus Förderer klar, dass sie dem Zuschauer keine Atempause gönnen. Dank modernster Drohnentechnik, rasanter Schnitte und Aufnahmen, die aussehen, als sei der Zuschauer selber mitten im Geschehen, ist die Kamera immer in Bewegung. Dass der Film dennoch nicht immer perfekt aussieht, ist Corona zu verdanken. Aufgrund der Epidemie mussten die geplanten Dreharbeiten im Ausland abgesagt und der Film in einer Quarantäneblase in Atlanta beendet werden. Statt wirklich vor Ort zu sein, wurden Johnson, Gadot und Reynolds also per Greenscreen nach Valencia, Bali, Argentinien und Rom transportiert. Unglücklicherweise sieht man das den Bildern an: In vielen Szenen wirkt es, als würden die drei vor einer Fototapete stehen. Ein Umstand, der nicht durch einen flotten Spruch des dauerquasselnden Ryan Reynolds zu überdecken ist – anders als die unglaubwürdigen Drehbuchwendungen. Sobald etwas Absurdes passiert, macht es Reynolds wie sein Alter Ego Deadpool und spricht es augenzwinkernd an. Überhaupt ist es erfreulich zu sehen, dass in diesen Actionfilm von der Stange durchaus viel Liebe geflossen ist. Wenn Reynolds während der Schatzsuche die „Indiana Jones“- Melodie pfeift und anschließend in einem Lagerraum auf eine Kiste mit der Zahlenfolge 9906753 stößt, klatschen Cineasten in die Hände. Allerdings sorgt diese Szene auch für Wehmut. „Red Notice“ mag vielleicht dank des Netflix-Algorithmus ein Hit werden, von „Jäger des verlorenen Schatzes“ ist er jedoch Welten entfernt.

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