Trailer zu ”Molly’s Game – Alles auf eine Karte”

Molly’s Game – Alles auf eine Karte

Jessica Chastain legt sich als „Pokerprinzessin“ mit der Mafia und dem FBI an
Gleich vorweg: Dies ist kein Pokerfilm. Zum Mitfiebern muss man nicht unbedingt wissen, was ein Flush ist. Höchstens, dass miese Spieler als Fische bezeichnet ­werden und Geldsäcke, die noch so herbe Verluste mit einem Lächeln quittieren, als Wale. Beide Gattungen waren willkommene Gäste bei Molly Bloom, die jahrelang die „dekadentesten Männerhöhlen“ von Los Angeles und New York betrieb. 2013 stürmten FBI-Agenten ihr Apartment und nahmen die „Pokerprinzessin“ wegen illegalen Glücksspiels und Geldwäsche fest. In seinem Regiedebüt rekonstruiert Drehbuchgott Aaron Sorkin (Oscar für „The Social Network“, „Steve Jobs“) den spektakulären Fall. Und Blooms Verhaftung erfolgt zügig, bevor in Rückblenden rasant die zehn Jahre ihres Aufstiegs aufgearbeitet werden. Ski-Ass Molly Bloom aus Colorado qualifiziert sich für Olympia, als ein schrecklicher Sturz sie aus der Bahn wirft. Im fernen Los Angeles fängt sie bei einem schmie­rigen Makler ganz klein neu an. Mollys Boss lässt seine sexy Assistentin bei Underground-Pokerspielen kellnern, die er im Keller eines Clubs ausrichtet – und unterschätzt ihren Geschäftssinn: Molly macht sich selbstständig, verlegt die exklusiven Zockerrunden in Luxushotels und fährt mit ihrer „Catering­firma“ stolze Gewinne ein. Spielwütige Manager und Filmstars schätzen die Lady für ihre Diskretion. Bis plötzlich die russische Mafia mit am Tisch sitzt und Molly die Kontrolle entgleitet. Die Spielerfrau schwört, dass sie mit keinem ihrer Kunden eine Affäre hat. Trotzdem weigert sie sich, Namen zu nennen, obwohl das ihr Strafmaß verringern würde. Mollys kurioser Anstand nervt Verteidiger Charlie Jaffey (Idris Elba), der seine Klientin für eine überbewertete Hostess hält. Die wiederum flucht, weil keiner ihr zutraut, ihr Business ohne Hintermänner geleitet zu haben. Wie sich der kaltschnäuzige Anwalt und das vermeintliche Partyluder zusammenraufen, bildet die Gegenwartsebene des Films und sein Herzstück. Wie Bloom in ihren Memoiren hat Aaron Sorkin im Film sämtliche Namen verklau­suliert. Aber die „Cobra Lounge“, wo Mollys Karriere beginnt, war in Wahrheit der berüchtigte „Viper Room“ am Sunset Strip. Hinter „Spieler X“ (Michael Cera), dem Hollywood-Star mit Babyface, der Fische und Wale ins Spiel bringt, verbirgt sich Tobey Maguire. Und gelegentlich zählten Leonardo DiCaprio und Ben Affleck zur illustren Runde. Doch auch ohne solche Enthüllungen ist Mr. Wortgewalt Sorkin ein Adrenalindrama gelungen, das seine Spannung vor allem aus den gewohnt zackigen Action­dialogen bezieht. Einzig die psychologisierende Aussprache zwischen Molly und ihrem Übervater (Kevin Costner) wirkt un­elegant-moralinsäuerlich. Ansonsten jedoch: ein Feuerwerk.

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