Marvin

Ein homosexueller Junge befreit sich selbst aus prekären Familienverhältnissen
Unterdrückung beginnt damit, dass man dem Betroffenen eine bestimmte Identität aufzwingt. Marvin hat schon als Kind gelernt, wie sich das anfühlt. Als der von seinen Mitschülern drangsalierte Junge seinen Vater fragt, was das Wort „Schwuchtel“ eigentlich bedeutet, erhält er zur Antwort: Das sei etwas Abnormales, eine Art Geisteskrankheit. Dass er auch zu Hause keine Unterstützung findet, ist für ihn noch schlimmer als die Schikanen, denen er in der Schule ausgesetzt ist. Erst später, nachdem er beim Theater eine neue Heimat gefunden hat, wird Marvin einen Weg finden, seine traumatische Kindheit zu verarbeiten. Anne Fontaine („Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“, „Tage am Strand“) erzählt nicht chronologisch, sie hat Marvins Kindheitserlebnisse und seine spätere Entwicklung kunstvoll miteinander verwoben. So entsteht das vielschichtige Kaleidoskop einer Befreiung aus prekären Verhältnissen. Marvins Geschichte, die von Édouard Louis’ ­Roman „Das Ende von Eddy“ inspiriert wurde, zeigt, dass es möglich ist, den ­fa­miliären Verhältnissen, in die man ­hi­nein­geboren wurde, zu entkommen. Und dadurch auch jene zu befreien, die einen zuvor erniedrigt haben.

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