Trailer zu ”Joker”

Joker

Oscar-würdig! Joaquin Phoenix („Her“) brilliert als trauriger Clown, dessen Psychosen zur mächtigen Waffe werden
Wahnsinnig, unberechenbar, anarchisch, zerstörerisch: Es gibt im Comicuniversum wohl keine Rolle, die herausfordernder ist als die des Joker. Die Reise in die psychischen Abgründe dieser 1940 ins DC-Universum eingeführten Figur, deren Motive kaum zu greifen sind, die sich jeglicher Einordnung entzieht und alle moralischen und ethischen Grenzen sprengt, ist für jeden Schauspieler ein wahrer Kraftakt. Nach Cesar Romero, Jack Nicholson, Heath Ledger und Jared Leto stellt sich jetzt Joaquin Phoenix im Kino dieser Herausforderung – ohne einen ausgleichen­den Charakter wie Batman als Sparringspartner. Phoe­nix ist auf sich allein gestellt – und schlichtweg brillant. Der 44-Jährige spielt den erfolglosen Komiker Arthur Fleck, der sich um seine Mutter (Frances Conroy) kümmert und ­dessen Traum von einer Karriere als gefeierter Clown sich schließlich in einen Albtraum verwandelt. Zumindest für die Bevölkerung von Gotham City. In seinem ersten Drama entführt Todd Phillips („Hangover“) den Zuschauer in die Psyche eines labilen Mannes, der zur tickenden Zeitbombe wird, und in eine Gesellschaft, die nicht weiß, wie sie ihm begegnen soll. Die zuweilen drastischen Gewalteruptionen verkommen nie zum Selbstzweck, sondern illustrieren die Ohnmacht und die Wut eines Ausgestoßenen – ohne dessen brutale Ausbrüche zu rechtfertigen. Im Gegenteil. In Phoenix’ Gesicht spiegelt sich virtuos Arthurs Verzweiflung über sein trostloses ­Dasein, die schließlich in den schieren Wahnsinn mündet. Ausgelöst durch eine Welt, die Unsicherheit und Angst allem Fremden gegenüber mit Erniedrigung, Hass und Zerstörung begegnet. Visuell erinnert „Joker“ an die dreckigen Frühwerke eines Martin Scorsese – allen voran „Taxi Driver“ (1976). Aber auch dessen unterschätzte Mediengroteske „King of Comedy“ (1982) findet hier ihren Widerhall. Das DC-Universum dient Phillips lediglich als Hintergrund für seine Story, die noch in keinem Comic erzählt wurde. Bezüge zu den bisherigen Filmen des DC Extended Universe gibt es keine. Verweise auf die Familie Wayne dagegen schon. Man darf gespannt sein, ob und wie Matt Reeves 2021 die Referenzen an den dunklen Ritter in „The Batman“ (mit Robert Pattinson) aufgreifen wird. Mit „Joker“ hat Todd Phillips jedenfalls den Anfang einer großen Saga geschaffen.

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