Trailer zu ”Hin und weg”

Hin und weg

Wenn es heißt, Abschied zu nehmen: Christian Zübert, der zuletzt Elmar Wepper in „Dreiviertelmond“ zu Höchstleistungen trieb, legt eine humorvolle, aber auch tieftraurige Ballade über das freiwillige Ausscheiden aus dem Leben vor
Ende September erregte eine Nachricht aus Belgien Aufsehen, wonach ein verurteilter Sexualstraftäter das Recht auf Sterbehilfe erhalten hat, weil er den „unerträglichen psychischen Qualen“ in der Haft nicht gewachsen sei. Das belgische Sonderrecht zur Sterbehilfe bildet nun auch den Hintergrund eines ungewöhnlichen Films aus Deutschland. „Hin und weg“ von „Lammbock“-Regisseur Christian Zübert beginnt wie eine harmlose Buddykomödie. Der 36-jährige Hannes (Florian David Fitz) und seine Frau Kiki (Julia Koschitz) treffen sich mit ihren Freunden Dominik (Johannes Allmayer), Mareike (Victoria Mayer) und Michael (Jürgen Vogel) zu ihrer jährlichen Radtour. Nach Belgien soll es diesmal gehen, wie Hannes bestimmt hat. Was unter den Kumpels Verwunderung auslöst, denn was gibt es in der langweiligen Flachnation schon zu holen, außer Pommes und Pralinen? Unterwegs legen die Radler einen Stopp bei Hannes’ Mutter Irene (Hannelore Elsner) ein. Erst hier erfahren die Freunde den Grund für ihr Reiseziel: Hannes leidet an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS, an der schon sein Vater gestorben ist. Um sich ein langes Siechtum zu ersparen, will er in Belgien Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Die Runde ist schockiert, kurz scheint es, als würde der Kreis auseinanderbrechen. Doch dann raufen sich alle zusammen, um den vorletzten Willen ihres Freundes zu erfüllen. Es wird eine Fahrt, die von verzweifelten, aber auch heiteren Momenten bestimmt ist und die jedem Einzelnen den Wert des Lebens neu bewusst macht. Taschentücher bereithalten: „Hin und weg“ ist eine Tragikomödie, die den Zuschauer allen erdenklichen Gemütslagen aussetzt. Eben noch sorgt Jürgen Vogel in Frauenkleidern für Gelächter, da folgt schon der nächste Absturz in die unvermeidliche Finsternis, denn Oostende rückt immer näher. Die sensibel gestaltete Sterbeszene ist kaum zu ertragen. Viele werden diesen Film lieben, aber sie werden ihn sich auch niemals ein zweites Mal ansehen wollen. Christian Zübert ist ein herausragendes Ensemblestück gelungen, das perfekt die Balance zwischen Tragik und Lebenslust hält und dem Publikum ganz am Ende eine dringend nötige befreiende Szene am Strand gewährt. Da trocknen langsam die Tränen.

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