Trailer zu ”High Life”

High Life

Als Überlebender einer hoffnungslosen Weltraummission muss „Twilight“-Star Robert Pattinson als Schwerverbrecher der Einsamkeit im Weltall trotzen
Die Französin Claire De­nis ist eine der eigenwilligsten Stimmen des europäischen Arthouse-Kinos. Ihre Filme („Trouble Every Day“, „Les Salauds“, „Meine schöne innere Sonne“) sind weniger Geschichten als vielmehr sinn­liche Erkundungen existenzieller Fragen. Mit „High Life“ verfolgt sie diesen Weg nun konsequent im Sci-Fi-Genre weiter. An Bord eines verwahrlosten Raumschiffs kümmert sich Monte (Robert Pattinson) um seine kleine Tochter Willow (Scarlett Lindsey). Etwas Schreckliches muss passiert sein. Sie sind die einzigen Überlebenden der Crew. Von diesem Punkt aus erzählt „High Life“ in sprunghaften Rückblenden von verurteilten Schwerverbrechern auf Harakiri-Mission im All – sie sollen ein schwarzes Loch erkunden. Einsamkeit, sexuelle Span­nungen und die Fruchtbarkeitsexperimente einer wahnsinnigen Ärztin (Juliette Binoche) lassen die Lage an Bord eskalieren. Was sich nach düsterem Sci-Fi-Horror anhört, ist eine formal strenge Studie über die animalische und gleichzeitig selbst­zerstörerische Natur des Menschen, die in ihrer Ästhetik eher einem Andrei Tarkovsky („Stalker“) als dem Hochfrequenzkino eines Paul W. S. Anderson („Event Horizon“) entspricht. Die Bilder, die Denis und ihre Kamerafrau Agnès Godard finden, sind unmittelbar und poetisch. Das Weltall wird nicht als physikalischer Raum behandelt, sondern in seinen ästhetischen Möglichkeiten ausgelotet: Leichen fallen hier schon mal schwebend ins dunkle Nichts des Alls. Die Ordnung der Dinge ist aus den Fugen geraten. So spricht viel dafür, dass die Crew das schwarze Loch an einem bestimmten Punkt bereits passiert haben muss und der Film in einer seltsamen Zwischenzeit spielt. Im schwarzen Loch wartet nicht die Finsternis, sondern der Mensch, verfangen in einem Netz aus endloser Zeit und Erinnerung: Der menschlichen Natur kann man nicht entkommen, denn sie ist das schwärzeste Loch von allen. So faszinierend die Ideen des Films auch sein mögen, der Zugang zu der Welt des Films ist unnötig schwer geraten. Hintergründe und Motivationen werden nur ­angedeutet, vieles bleibt im Vagen. Man muss sich da durchaus hineinarbeiten, was bisweilen frustriert. Dennoch ist „High Life“ ein intellektuell herausforderndes Kinoerlebnis.

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