Trailer zu ”Glücklich wie Lazzaro”

Glücklich wie Lazzaro

Alice Rohrwachers Kinowunder über einen sanftmütigen Landarbeiter wurde in Cannes mit dem Drehbuchpreis prämiert
Der Zigarettenkönigin Alfonsina de Luna (Nicoletta Braschi) fällt es nicht schwer, sich zu rechtfertigen: „Die Menschen zu befreien heißt, ihnen ihr Sklavendasein bewusst zu machen und sie ins Unglück zu stürzen.“ Obwohl die Naturalpacht in Italien längst abgeschafft wurde, lässt sie 54 Landarbeiter wie Leib­eigene auf ihren Feldern schuften. Die Geschichte, die Alice Rohrwacher („Land der Wunder“) in ihrem neuen Film erzählt, wurde von wahren Ereignissen inspiriert, und doch wirkt ihr märchenhaft verklärter Film wie aus der Zeit gefallen. In nostalgisch anmutenden 16-mm-Bildern (mit runden Ecken und zerfransten Rändern) schildert sie das Leben des unschuldigen und duldsamen Lazzaro. Als Tancredi, der rebellische Sohn der Tabakproduzentin, seine eigene Entführung vortäuscht, kommt „der große Betrug“ ans Licht. Die Bauern werden von der Polizei befreit. Doch zu glücklicheren Menschen werden sie nicht. Der von Adriano Tardiolo gespielte Lazzaro gehört zu den wundersamsten Kinofiguren seit Langem. Sein sanftes Gemüt macht ihn zu einem „unscheinbaren Heiligen, der keine Wunder vollbringt“ (Rohrwacher). Die poetische Erzählweise des Films weckt in ihrer Einfachheit Erinnerungen an das Frühwerk von Federico Fellini („Die Schwindler“) und Pier Paolo Pasolini („Große Vögel, kleine Vögel“). Rohrwachers magischer Realismus lässt eine Epoche des italienischen Kinos auferstehen, die für immer verloren schien. Ein Glücksfall für den europäischen Film.

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