Trailer zu ”Enfant Terrible”

Enfant Terrible

Ein Leben auf der Überholspur: Oskar Roehler porträtiert die selbstzerstörerische Karriere des Rainer Werner Fassbinder
Oskar Roehler war zwölf Jahre alt, als er im Internat zum ersten Mal einen Film von Rainer Werner Fassbinder sah. Wie ein Geschoss habe sich dieser Film in sein Herz gebohrt. Kein anderer Regisseur hat Oskar Roehler („Quellen des Lebens“) so sehr geprägt wie Fassbinder. Jetzt hat er einen Film über sein Idol gedreht. Kein klassisches Biopic, sondern eine episodenhafte Annäherung an das „Enfant terrible“ des deutschen Films. Für Fassbinder war Schwarz-Weiß die schönste Farbe, doch Roehler hat geahnt, dass er der schillernden Persönlichkeit des Regisseurs, seiner Arbeitswut und seinem ungehemmten Drogenkonsum nur gerecht werden kann, wenn er seine Geschichte in grelle Farben taucht. Fassbinders Leben erscheint in Roehlers Film selbst wie eine grandiose Selbstinszenierung, was die thea­terhaften Kulissen und Requisiten noch unterstreichen. Fassbinders Filme handeln davon, „wie Menschen träumen und wie ihre Träume kaputtgehen“, doch am Set regierte er wie ein Despot, der kein Problem damit hatte, seine Mitarbeiter zu demütigen und zu quälen. Roehler erzählt mit subtilem Witz, sein Blick ist zugleich respektvoll und ­entlarvend. Zusammen mit seinem Hauptdarsteller Oliver Masucci („Er ist wieder da“), der den Regieberserker mit monströ­ser Spielfreude verkörpert, gelingen ihm große Kinomomente. In einer der schönsten Szenen des Films sehen wir Fassbinder in einer Kneipe. Wie in Trance bewegt er sich zu Joachim Witts „Goldenem Reiter“. Da ahnt man schon das baldige Ende: „Ich war so hoch auf der Leiter, doch dann fiel ich ab.“

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