Trailer zu ”Emma”

Emma

Jane Austen reloaded: Anya Taylor-Joy brilliert in der Rolle der berühmten Ehestifterin
Die 21-jährige Emma Woodhouse, die mit ihrem Vater auf dem Landsitz Hartfield in der südwestlich von London gelegenen Gemeinde Highbury lebt, zählt zu den bekanntesten Figuren der britischen Schriftstellerin Jane Austen. „Emma“ (1815) war der letzte Roman, der zu ihren Lebzeiten veröffentlicht wurde. Nach mehreren Verfilmungen – die letzte entstand 2009 als Miniserie der BBC – scheint die Zeit reif für eine Neuauflage. Auch Autumn de Wildes Spielfilmdebüt folgt im Wesentlichen den Ereignissen des Romans, doch ihre Adaption ist kein ge­diegener Kostümfilm im Merchant/Ivory-Stil („Zimmer mit Aussicht“). Ein Hauch von „The Favourite“, Yorgos Lanthimos’ lustvoll überzeichneter Historienfarce von 2018, weht durch die verstaubten Kulissen. Emma (Anya Taylor-Joy) hat sich geschworen, nie zu heiraten, findet allerdings großen Gefallen daran, Ehen zu stiften – was im Laufe der Handlung zu zahlreichen Verwicklungen führt. Mit teils entlarvender Ironie blickt Autumn de Wilde auf das Gesellschaftsleben im England des frühen 19. Jahrhunderts. Ihr Film ist Sittengemälde und Charakter­studie zugleich – und beeindruckt durch einen scharfsinnigen, unsentimentalen Blick auf die Figuren. Anya Taylor-Joy („Vollblüter“) interpretiert ihre Rolle mit einer verführerischen Mischung aus kindlicher Naivität und selbstverliebter Koketterie, kühler Berechnung und kapriziösem Hochmut. Vom anmutigen Liebreiz, mit dem Gwyneth Paltrow die kokette Kupplerin in der Kino­fassung von 1996 verkörpert hat, ist kaum noch was zu spüren. Emmas Vater, der von Bill Nighy („Best Exotic Marigold Hotel“) dargestellt wird, gerät unter de Wildes Regie zur Parodie eines verschrobenen Hypochonders. Und der von Josh O’Connor (in „The Crown“ als Prinz Charles zu sehen) gespielte Vikar wirkt in seiner linkischen Art diesmal noch lächerlicher. Doch „Emma“ glänzt nicht nur durch eine suggestive, ironisch überhöhte Erzählweise, sondern auch durch die prächtige Ausstattung. Das gilt nicht nur für die Kostüme, sondern ganz besonders für die Auswahl an kuriosen Hüten, die auf subtile Weise zum hintergründigen Humor des Films beitragen.

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