Trailer zu ”Der Distelfink”

Der Distelfink

Donna Tartts Entwicklungsroman über die moralischen Abgründe eines traumatisierten Antiquitätenhändlers wurde als literarische Sensation gefeiert. Jetzt wurde das Buch auf kongeniale Weise verfilmt
Ein Hotel in Amsterdam, kurz vor Weih­nachten. Seit Tagen hat Theo („Baby Driver“ Ansel Elgort) sein Zimmer nicht verlassen. Die Zeitungen, die überall herumliegen, berichten von einem Mord. Und irgendwie scheint er darin verstrickt zu sein. Vierzehn Jahre zuvor hat Theo (nun gespielt von Oakes Fegley) erlebt, wie seine Mutter bei einem Bombenanschlag auf das New Yorker Metropolitan Museum ums Leben kam. Nach der Detonation hat er ein Bild an sich genommen, das sie geliebt hat: den „Distelfink“ von Carel Fabritius, der 1654 bei der Explosion einer Schießpulverfabrik getötet wurde. Über tausend Seiten umfasst Donna Tartts Roman, der 2014 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde und den John Crowley („Brooklyn“) mit großem Geschick zusammengestrichen hat. Weil sein Vater unauffindbar ist, wird der dreizehnjährige Theo nach dem Tod seiner Mutter von den Barbours, der vornehmen Familie eines Schulfreunds, aufgenommen. Doch die meiste Zeit verbringt er in Hobies Antiquitätengeschäft, wo er lernt, wie man Möbel restauriert. Hier sieht er auch das rothaarige Mädchen wieder, das ihm im Museum zum ers­ten Mal aufgefallen ist: Pippa, „das vermisste Königreich, der unverletzte Teil meiner selbst“, die unerfüllte Liebe seines Lebens. Doch auch sie kann nicht verhindern, dass er einen Weg einschlagen wird, der ihn geradewegs hineinführt „in das schöne Lodern des Verderbens, der Selbstzerstörung“. Er spürt, dass es indirekt mit dem „Distelfink“ zusammenhängt, ,,dass aus seinem Besitz nichts Gutes erwachsen würde“. Vom ersten Moment an gelingt es John Crowley, eine geheimnisvolle Atmosphäre zu erschaffen, die den Zuschauer fast unwillkürlich in die Geschichte hineinzieht. Die verschachtelte Erzählweise, die subtil eingesetzte Filmmusik und die kunstvoll komponierten Bilder entwickeln einen unwiderstehlichen Sog. „Inmitten unseres Sterbens“, erklärt Theo am Ende seiner Lebensbeichte, „ist es herrlich und ein Privileg, das zu lieben, was der Tod nicht anrührt.“ Dieser Film gehört dazu.

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