Trailer zu ”Cortex”

Cortex

Wer sind wir? Und wenn ja, wie viele? Ein Wachmann begegnet in seinen Träumen einem Fremden, der ein rätselhaftes Eigenleben führt. Moritz Bleibtreus Regiedebüt lässt die Grenzen zwischen Traum und Realität verschwimmen
Mitten in der Nacht wird Hagen (Moritz Bleibtreu) plötzlich wach. Er leidet unter Hyposomnie – lebhaften Träumen, die ihn nicht zur Ruhe kommen lassen und ihm die Kraft für den Tag rauben. Schon oft hat ihn seine Frau, die Dermatologin Karoline (Nadja Uhl), gebeten, sich in einem Schlaflabor untersuchen zu lassen. Doch Hagen, der für den Sicherheitsdienst eines großen Supermarkts ­arbeitet, glaubt nicht, dass er dort die Lösung für seine Probleme findet. Eines Tages entdeckt er auf dem Monitor einer Überwachungskamera einen Mann, den er aus seinen Träumen kennt: Niko (Jannis Niewöhner) ist halb so alt wie Hagen, ein junger Mann auf der Suche nach Orientierung, der von seinem zwielichtigen Bruder Dan (Marc Hosemann) in kriminelle Geschäfte ver­wickelt wird. Eines Abends fällt Hagen erneut in einen unruhigen Schlaf. Er träumt von Karoline, die in ihrer ­Praxis auf Niko trifft. Beide fühlen sich fast magisch zueinander hingezogen. Ist es denkbar, dass Karo eine Affäre hat? Am nächsten Morgen stellt Hagen seine Frau zur Rede. Dass Moritz Bleibtreu eine Schwäche für anspruchsvolles Genrekino hat, hat er mit Filmen wie „Das Experiment“ (2001), „Die vierte Macht“ (2012), „Stereo“ (2014) oder „Abgeschnitten“ (2018) bewiesen. Die Idee, selbst Regie zu führen, beschäftigt ihn seit Langem. Jetzt hat er sich diesen Traum erfüllt – mit einem Film, der den Zuschauer vor immer neue ­Herausforderungen stellt und ihn zwischenzeitlich an seinem Verstand zweifeln lässt. Ist Niko eine reale Figur, oder existiert er nur in Hagens Träumen? Warum behauptet Niko in einem Telefonat mit Karo, ihr Mann zu sein? Sind Niko und Hagen Ausgeburten einer gespaltenen Persönlichkeit? Und welche Rolle spielt der mysteriöse Apotheker, den Nicholas Ofzarek („Der Pass“) auf so verstörende Weise verkörpert? Vom ersten Moment an entwickelt die Geschichte einen faszinierenden Sog. Bleibtreu erzählt in kraftvollen Kino­bildern, atemlos folgt der Zuschauer den Ereignissen, die er nur ansatzweise begreift. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis einem das, was man zu wissen glaubt, zwischen den Fingern zer­rinnt. Der Film handelt von vertauschten Iden­titäten, von Entfremdung und Klarträumen, die es dem Schlafenden erlauben, sei­ne Fantasie zu beeinflussen. Es ist nahezu unmöglich, die Handlung beim ersten Sehen zu durchschauen. Das wird nicht allen Zuschauern gefallen. Doch wer Spaß daran hat, sich auf ein verschlungenes Denkspiel einzulassen, der kommt an „Cortex“ nicht vorbei.

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