Trailer zu ”A Beautiful Day”

A Beautiful Day

Joaquin Phoenix spielt einen traumatisierten Einzelgänger, der entführte Kinder befreit – ein Kraftakt, für den er in Cannes als bester Darsteller ausgezeichnet wurde
Wenn Joe (furchteinflößend gut: Joaquin Phoenix) in der Nacht nach Hause kommt, muss er seine Mutter ins Bett bringen, die vor dem Fernseher eingeschlafen ist. Die gebrechliche Frau wirkt leicht verängstigt, denn im Fernsehen lief an diesem Abend „Psycho“. Warum sie sich einen solchen Film überhaupt allein ansehe, tadelt Joe seine schläfrige Mutter, die nicht weiß, womit ihr Sohn sein Geld verdient. Die Schrecken des Hitchcock-Films jedenfalls sind nichts im Vergleich zu dem, was Joe bei seiner Arbeit erlebt. Der Kriegsveteran agiert im Verborgenen, für betroffene Eltern ist er die letzte Hoffnung, wenn es darum geht, ein entführtes Kinder zu befreien. Sein aktueller Auftrag ist besonders brisant. Nina, die 13-jährige Tochter eines prominenten Politikers, wird in einem New Yorker Bordell gefangen gehalten. Weil ihr Vater so kurz vor den Senatswahlen einen Skandal verhindern will, soll Joe jedes Aufsehen vermeiden. Doch der Senator fordert ihn ausdrücklich dazu auf, die Entführer leiden zu lassen. Nachdem er das Mädchen gefunden hat, kommt Ninas Vater nicht zum vereinbarten Treffpunkt. Aus den Nachrichten erfahren sie, dass der Politiker angeblich Selbstmord begangen hat. Als Nina kurz darauf erneut gekidnappt wird, ahnt Joe, der offenbar einer politischen Verschwörung auf die Spur gekommen ist, dass auch sein Leben in Gefahr ist. Der von Joaquin Phoenix mit stoischer Entschlossenheit gespielte Joe gehört zu den unberechenbarsten und verstörendsten Kinofiguren seit Langem. Dass der ehemalige Soldat entführte Kinder befreit, ist kein Zufall. Er selbst hat als kleiner Junge unter einem extrem gewalttätigen Vater gelitten. Immer wieder wird die bruchstückhafte Handlung von traumatischen Erinnerungen an seine Kindheit durchbrochen. Joe mag brutal und unnahbar erscheinen, im Umgang mit ihm beweist die britische Regisseurin Lynne Ramsay („We Need to Talk About Kevin“) von Anfang an aber ein hohes Maß an Empathie. In vielen Einstellungen sucht die Kamera die Nähe dieses versehrten Antihelden, und nicht nur einmal ist sein mit Narben übersäter Körper zu sehen. Wenn Joe mit einem Hammer aus dem Baumarkt auf seine Gegner einprügelt, hat man das Gefühl, er wolle sich mit roher Gewalt von den erlittenen Seelenqualen befreien. Doch Erlösung findet er nicht.

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